Rückblick 23. Cyber-Sicherheitstag in Münster: Digitalisierung im Handwerk - aber sicher!

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Rückblick 23. Cyber-Sicherheitstag in Münster: Digitalisierung im Handwerk - aber sicher!

Cyber-Risiken erkennen und Schutzmaßnahmen ergreifen. Mit diesen Themen richtete sich der Cyber-Sicherheitstag der Allianz für Cyber-Sicherheit, der vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk (KDH) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Handwerkskammer Münster ausgerichtet wurde, an Vertreter und Vertreterinnen der Handwerksorganisationen und explizit an Handwerksbetriebe. Für letztere eine gute Gelegenheit, sich über Risiken und deren Minimierung zu informieren und Rückschlüsse für ihr eigenes Unternehmen zu ziehen.

Denn Egal, ob große Konzerne oder kleine Betriebe – fast alle Unternehmen greifen auf digitale Lösungen zurück, die mit dem Internet verbunden sind. Damit gehen jedoch immer auch Sicherheitslücken einher. Um sich entsprechend vor möglichen Eingriffen von außen zu schützen, sollten Unternehmen auch in Cyber-Sicherheit investieren. Denn mit der Anwendung der zahlreichen Möglichkeiten, entstehen immer auch Risiken, welche auf dieser Veranstaltung umfassend thematisiert wurden.

Begrüßt wurden die Teilnehmer von Hans Hund – Präsident des Gastgebers, der Handwerkskammer Münster: „Die Digitalisierung im Handwerk steht bei uns ganz oben. Jeder dritte Betrieb nimmt sie als Chance war.“ Darüber hinaus stellt er gleich zum Auftakt eine aussagekräftige Zahl vor und sagt, dass nach einer Umfrage der Handwerkskammer Münster, Lücken in der Sicherheit von Informationstechnik (IT) für 40 Prozent von 320 befragten Betrieben eine Hürde für den digitalen Fortschritt darstellt.

Anschließend referierte Dr. Timo Hauschild (BSI) über die Relevanz von Cyber-Sicherheit und stellt die aktuelle Bedrohungslage dar.

Für viele Betriebe ist das Thema Cyber-Sicherheit noch mit vielen Fragezeichnen versehen. Und das ist auch nicht unbegründet. Denn das Thema ist in aller Munde und negative Berichterstattung in den Medien und die Vielzahl von Angeboten für Schutzsoftware führen bei den Betrieben zur Verunsicherung. Darüber hinaus gibt es noch ein weiteres Problem, welches Dr. Timo Hauschild prägnant zusammenfasst: „Wir haben da draußen die ganze Software zur Verfügung. Aber die ist halt löchrig wie ein Schweizer Käse.“ Weiter sagt er: „Deswegen müssen wir Sicherung in diese löchrige Software hineinbringen.“ Und genau das ist der Auftrag, für den sich das BSI verantwortlich fühlt:
„Wir fühlen uns für dieses Thema zuständig.“ (Dr. Timo Hausschild) Und weiter sagt er: „Darüber hinaus möchten wir, dass das Thema in allen Köpfen ist und alle wissen, wie sie sich schützen können.“ (Dr. Timo Hausschild)

Frauke Greven (BSI) schloss nahtlos an die Keynote von Herr Hauschild an und stellte das IT-Grundschutz-Profil für Handwerkskammern vor, welches in der kommenden Woche vom ZDH veröffentlicht wird.

Dieses IT-Grundschutz-Profil ist als Leitfaden – eine Art Kompass – für Kammern und Verbände zu verstehen, der nicht nur die verschiedenen Bereiche aufzeigt in denen Schutzmaßnahmen ergriffen werden sollten, sondern auch Handlungsempfehlungen bereitstellt, um die Kammern bestmöglich – und vor allem im Vorfeld – vor externen Angriffen zu schützen. „Damit geben wir den Kammern ein Instrument an die Hand, welches ihnen hilft, einen guten Grundstein in der IT-Sicherheit ihrer Institution zu legen.“ (Frauke Greven)

Die Erstellung eines IT-Grundschutz-Profils für Handwerkskammern ist nur ein erster Schritt. In einem zweiten Schritt wird ein IT-Grundschutz-Profil für Handwerksbetriebe folgen.

Das KDH hat – ergänzend dazu – mit Zahlen und Fakten den Status Quo der Digitalisierung im Handwerk abgebildet und so noch einmal verdeutlicht, dass sich das Handwerk zwar auf einem guten Weg befindet. Dennoch aber, gerade was die IT-Sicherheit betrifft, Luft nach oben ist. So hat gut ein Drittel der Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr in Digitalisierungsmaßnahmen investiert. Jedoch nur 40 Prozent davon in Cyber-Sicherheit.

Stephan Blank (KDH) macht an dieser Stelle auf die Informations- und Umsetzungsangebote des KDH aufmerksam und sagt hierzu: "Die Digitalisierung ist längst im Handwerk angekommen. Und das ist auch gut so! Denn nur so können unsere Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit künftig sicherstellen. Darüber hinaus ist es aber ebenso wichtig, dass die Betriebe die Relevanz für das Thema Cyber-Sicherheit erkennen und die nun implementierten digitalen Prozesse und Abläufe entsprechend sichern. Denn umso mehr die Digitalisierung voranschreitet, desto mehr Angriffsfläche bietet sie auch. Und hierin sehen wir unsere Aufgabe: Wir wollen die vielen Facetten der Digitalisierung mit unseren Informations- und Unterstützungsangeboten für die Betriebe greifbar und erlebbar machen – sie von den Vorteilen überzeugen.“

Aus der Praxis für die Praxis

Der Nachmittag richtete sich explizit an die Handwerksbetriebe. Wie einfach auf Daten zugegriffen werden kann, wurde in einem Live-Hacking eindrucksvoll demonstriert. Mit Schlüsselkarten zu öffnende Türschlösser oder sensible Unternehmensdaten – nichts scheint vor Hackern mit falschen Absichten und richtigem Know-how sicher zu sein. Das jedoch verdeutlicht, wie wichtig das Thema ist.

Anschließend hatten die Teilnehmer die Möglichkeit an verschiedenen Impulsvorträgen zu praxisnahen Themen wie „DSGVO“, „Sicherheit von Unternehmens-Webseiten“, „Unterwegs mit mobilen Geräten“ oder auch „Cyber-Versicherungen“ – um nur einige zu nennen – teilzunehmen.

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit einem Praxisbeispiel. Die Hans Thormählen GmbH & Co. KG stellte ihren Weg von der analogen in die digitale Welt vor und wie das – auch im Hinblick auf die Cyber-Sicherheit – mit einem verlässlichen Partner an der Seite erfolgreich gelungen ist.

Reyno Thormählen – Geschäftsführer der Hans Thormählen GmbH & Co. KG – hierzu: „Digitalisierung ist ein bewusster Schritt, für den man sich entscheiden muss. Denn er erfordert eine Überarbeitung und ein Umdenken in allen Bereichen des Betriebes. Den Betrieb zu digitalisieren kostet Zeit – und die sollte man sich nehmen!“ Aber genauso wichtig, wie den Betrieb für die Zukunft zu rüsten und Prozesse zu digitalisieren, ist die entsprechende Absicherung.

Für die Hans Thormählen GmbH & Co. KG hat es sich dieser Schritt gelohnt. Denn der Betrieb konnte seine Prozesse erheblich verschlanken, auf diese Weise ihre Ressourcen optimal einsetzen und sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Dieter Meyer – Inhaber der Elektro Ulpts GmbH und Umsetzungspartner in diesem Projekt – ergänzte: „Es ist auch wichtig, die Betriebe nicht zu überfordern, sondern sich folgende Fragen zu stellen: Welche Schutzmaßnahmen gibt es? Welche davon sind für meinen Betrieb relevant? Und welche Maßnahmen kann ich umsetzen. Einen hundertprozentigen Schutz wird es niemals geben. Wir müssen versuchen den Betrieben den bestmöglichen Schutz im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu bieten und das Schritt für Schritt angehen.“

Reyno Thormälen macht abschließend Mut: „Bereits mit wenigen Schritten lässt sich aus einem großen Scheunentor eine kleine Tür machen.“

Das Fazit der Veranstaltung: Das Handwerk weiter digitalisieren – aber sicher!
Digitalisierung und IT-Sicherheit ist für Handwerksbetriebe unerlässlich, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Dennoch sollte man sich die Zeit nehmen, genau zu überlegen und realistisch einzuschätzen, welche Sicherheitsmaßnahmen für den eigenen Betrieb tatsächlich von Relevanz sind und welche Maßnahmen sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten umsetzen lassen. Wichtig ist, sich einen Plan zu machen und sich die Zeit zu nehmen, diese Vorkehrungen Stück für Stück in das Unternehmen zu integrieren. Dabei kann das IT-Grundschutz-Profil eine entscheidende Hilfestellung sein.

Die entsprechenden Informationen, Inhalte und Präsentationen der Referenten finden Sie www.handwerkdigital.de sowie auf www.allianz-fuer-cybersicherheit.de

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