Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich zu einer Schlüsseltechnologie für die Zukunft des Handwerks. Neue KI-Technologien, -Produkte und -Dienstleistungen entlasten Handwerksbetriebe bei Routineaufgaben, steigern die Produktivität und Kreativität und ermöglichen völlig neue Geschäftsmodelle.
Künstliche Intelligenz gibt Maschinen die Fähigkeit, Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliches Denken erfordern würden. Zu diesen Aufgaben gehören das Verstehen von Sprache, das Erkennen von Bildern und Mustern und das Lösen komplexer Probleme. Die Besonderheit von KI besteht in ihrer Fähigkeit zu „lernen“ und sich selbständig zu verbessern.
Der Lernprozess einer KI ist dem menschlichen Lernprozess nachempfunden. KI hat aber den Vorteil, dass sie riesige Mengen an strukturierten Daten in kürzester Zeit verarbeiten kann. So könnte eine KI, die darauf spezialisiert ist, Bilder zu erkennen, tausende von Fotos in wenigen Minuten durchgehen und dabei sogar Muster identifizieren, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben.
Diese Lernfähigkeit ermöglicht es KI, zunehmend komplexe und anspruchsvolle Aufgaben auszuführen, die weit über die Kapazitäten von traditioneller Software hinausgehen.
Viele zeitintensive Arbeiten im Betrieb, die aktuell von Menschen erledigt werden, eignen sich dazu, durch KI (teil-)automatisiert zu werden.
Oftmals sind es nach einem klaren Schema ablaufende Routinen, die die Kapazität von Mitarbeitenden binden, die eigentlich bei wichtigeren Aufgaben gebraucht würden. Und gerade hier, bei klar definierbaren, wiederkehrenden Aufgaben können KI-Systeme unterstützen, da sie sich algorithmisch „erlernen“ lassen.
Auch bei grundlegenden Kommunikationsaufgaben mit der Kundschaft kann Künstliche Intelligenz unterstützen, z. B. bei einfachen bzw. ständig wiederkehrenden Anfragen oder Terminvereinbarungen.
Verschaffen Sie sich einen ersten Überblick über das Potenzial von Künstlicher Intelligenz mit unserem interaktiven, ständig wachsenden KI-Baum.
Die Äste des Baumes zeigen einige der Fähigkeiten, die Künstliche Intelligenz besitzt. Außerdem werden beispielhaft Softwarelösungen fürs Handwerk verlinkt, in denen diese Fähigkeiten zum Einsatz kommen.
Hier eine Auswahl der interessantesten Anwendungsfälle für das Handwerk:
KI-Anrufbeantworter können automatisiert Anfragen entgegennehmen, Details erfragen und diese übersichtlich dokumentieren. HandwerkerInnen vermeiden so dauernde Unterbrechungen während der Arbeit und können sich am Tagesende eine geordnete Übersicht aller Anfragen ansehen. Sie müssen dann lediglich diejenigen Telefonate führen, die wirklich wichtig sind.
Intelligente Website-Chatbots, die Kundenfragen individuell beantworten, Terminbuchungen vornehmen oder eine Erstberatung durchführen und dabei auf das gesammelte Unternehmenswissen zurückgreifen können
Professionelle Texte schreiben: Text-KIs unterstützen beim Verfassen beliebiger Texte, z. B. bei Stellenanzeigen, Websitetexten, E-Mail-Korrespondenz, Social-Media-Posts etc.
Persönliche KI-Assistenten, die jederzeit verfügbar sind und zu beliebigen Themen Rat und Unterstützung bieten, sekundenschnell Entscheidungsgrundlagen erarbeiten, Konzepte entwickeln und als Sparringspartner für kreative Ideen und Lösungen dienen
Qualitätskontrolle: Automatische Überwachung der Qualität von Produkten und Prozessen sowie Benachrichtigung bei Problemen und Abweichungen
Sicherheitsmanagement: automatisierte Überwachung und Risikobewertungen
Fortschrittskontrolle: durch automatisierte Datenerfassung und -analyse den Projektfortschritt in Echtzeit überwachen
Intelligente Lagerhaltung: Bessere Übersicht über Lagerbestände, effiziente Nutzung von Ressourcen, automatische Nachbestellungen und Lokalisierung von Objekten
Vorausschauende Wartung (Predictive Maintanance): Mittels Künstlicher Intelligenz wird der technische Zustand von Maschinen permanent überwacht. Probleme werden erkannt, bevor die Maschine Schaden nimmt oder ausfällt.
Voraussage des Kaufverhaltens der Kundschaft, z. B. in Bäckereien, wodurch eine effizientere Produktion- und Lagerhaltung möglich wird
Risiko- und Fehleranalyse bei Ausschreibungen: KI-gestützte Analysetools durchsuchen Leistungsverzeichnisse von Ausschreibungen und Aufträgen auf Unstimmigkeiten und Fehler und weisen auf diese hin. So können bereits vor Angebotserstellung Risikobewertungen vorgenommen und offene Fragestellungen mit Auftraggebern geklärt werden. Der eigene Analyseaufwand entfällt, die Planungssicherheit steigt und damit auch die potenzielle Projektrendite.
Entwickeln neuer Geschäftsmodelle: Durch die Analyse von Daten werden neue Trends und Kundenbedürfnisse erkannt, für die neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt werden können.
KI-gestützte Audio-Erkennung: Im Alltag sind Alexa, Siri oder Apps zur Erkennung von Musiktiteln und Interpreten im Einsatz. Die Interaktion findet über Sprache oder Geräusche statt – ganz ohne Tastatur. Im Handwerk hilft KI-gestützte Audio-Erkennung z. B. dabei, Maschinen zu überwachen, Fehlfunktionen zu erkennen und die Sicherheit zu erhöhen.
KI-gestützte visuelle Erkennung: Im Alltag hilft die Technologie z. B. beim Entsperren des Smartphones mittels Gesichtserkennung. Auch im Handwerk kann KI-gestützte visuelle Erkennung hilfreich sein, z. B. für Datenübertragungen, Zugangskontrollen, Bestellvorgänge oder auch Qualitätskontrollen.
Eine Umfrage zu Künstlicher Intelligenz, an der 2023 mehr als 150 Unternehmen teilgenommen haben, gibt Einblicke in den aktuellen Umgang von Betrieben mit KI und beleuchtet den Nutzen, die Herausforderungen und konkrete Aktivitäten auf diesem Gebiet.
Künstliche Intelligenz ist heute so einfach zugänglich wie nie zuvor. Für Betriebe bedeutet das: Sie können schon heute mit minimalem Aufwand das Potenzial mächtiger KI-Tools nutzen – oder an eigenen KI-Lösungen arbeiten, die neue Geschäftsmodelle eröffnen.
Betriebe haben im Wesentlichen drei Möglichkeiten, von KI zu profitieren.
Level 1: Eigenständige KI-Tools für den direkten Einsatz
Wer direkt loslegen will, kann sich eines der vielen eigenständigen Werkzeuge vornehmen. Chatbots wie ChatGPT oder Gemini bieten einen leichten Einstieg in das automatische Schreiben und Bearbeiten von Texten, während Bilderstellungs-KIs wie DALL-E oder Midjourney bei der Erstellung kreativer Bildinhalte unterstützen. Viele dieser Tools bieten Einstiegsversionen, die kostenfrei oder zu einem geringen monatlichen Preis nutzbar sind. Außerdem gibt es besondere Lizensierungsmodelle für Firmen.
Level 2: Software mit KI-Funktionen
Viele moderne Software- und Hardwarelösungen – auch solche, die für Handwerksbetriebe konzipiert sind – integrieren bereits KI-Funktionen. Dies reicht von intelligenten Lagerverwaltungssystemen über automatisierte Buchhaltungssoftware bis hin zu Chatbots, die auf der Website mit der Kundschaft kommunizieren können. Bei solchen Produkten können Handwerksbetriebe direkt von den eingebauten KI-Funktionen profitieren, ohne sich mit der technologischen Infrastruktur im Hintergrund auseinandersetzen zu müssen.
Level 3: Zusammenarbeit zur Entwicklung neuer KI-Lösungen
Eine spannende Option für Handwerksbetriebe, die über den Tellerrand hinausblicken, ist die Zusammenarbeit mit Start-ups oder Technologieunternehmen. Gemeinsam können sie spezifische KI-Lösungen für handwerkliche Herausforderungen entwickeln.
Dies bietet nicht nur den Vorteil einer maßgeschneiderten Lösung für den eigenen Betrieb, sondern öffnet auch die Tür zu ganz neuen Geschäftsmodellen. Denn die gemeinsam entwickelte KI-Anwendung kann anschließend anderen Handwerksbetrieben zur Verfügung gestellt werden. Angesichts der wachsenden Bedeutung der Digitalisierung im Handwerk ist zu erwarten, dass der Bedarf an solchen maßgeschneiderten KI-Lösungen in Zukunft deutlich steigen wird.
Auch der Zusammenschluss eines ganzen Gewerks auf Verbandsebene ist denkbar, um gemeinsam neue KI-Software fürs Handwerk zu entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit ist dann auch höher, dass die neu entwickelte KI-Lösung von vielen Betrieben genutzt wird.
Ansprechpartner
Stephan Blank
Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH)
Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk
Tel. 030 20619 268
E-Mail blank@zdh.de